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Der Begriff Kurort ist nicht wirklich sexy
16.02.2016 19:21 (1952 x gelesen)

„Der Begriff Kurort ist nicht wirklich sexy“

Zweites FWG-Kamingespräch; Marketingexperten Dieter Adt und Daniel Kumelis zu Gast

Bad Orb (in). Die „alleinstehende Frau mit Hund“ wird nicht die Zielgruppe sein, um die sich Bad Orb künftig mit aller Kraft bemühen wird. Die Metapher von der Dame mit Vierbeiner allerdings zog sich am Donnerstagabend wie ein roter Faden durch das zweite Kamingespräch der Bad Orber FWG. Dehoga-Vorsitzender Dieter Adt und der Berater des Verbands, Daniel Kumelis, wollten mit diesem Bild klarmachen, was Bad Orb braucht: eine klar definierte Zielgruppe und eine eindeutige Ausrichtung, an der sich alle Beteiligten orientieren können. Die Vertreter der FWG, die vor dem Kamin Platz genommen hatten, bekräftigten ihre Vorschläge, dass sich in Bad Orb eine Steuerungsgruppe bilden müsse, in der Ideen zusammenlaufen und die Ausrichtung festgeklopft wird.



„Der Begriff Kurort ist nicht wirklich sexy“

Zweites FWG-Kamingespräch; Marketingexperten Dieter Adt und Daniel Kumelis zu Gast

Bad Orb (in). Die „alleinstehende Frau mit Hund“ wird nicht die Zielgruppe sein, um die sich Bad Orb künftig mit aller Kraft bemühen wird. Die Metapher von der Dame mit Vierbeiner allerdings zog sich am Donnerstagabend wie ein roter Faden durch das zweite Kamingespräch der Bad Orber FWG. Dehoga-Vorsitzender Dieter Adt und der Berater des Verbands, Daniel Kumelis, wollten mit diesem Bild klarmachen, was Bad Orb braucht: eine klar definierte Zielgruppe und eine eindeutige Ausrichtung, an der sich alle Beteiligten orientieren können. Die Vertreter der FWG, die vor dem Kamin Platz genommen hatten, bekräftigten ihre Vorschläge, dass sich in Bad Orb eine Steuerungsgruppe bilden müsse, in der Ideen zusammenlaufen und die Ausrichtung festgeklopft wird.

Als Moderator der Kaminrunde fungierte Michael Heim, der von Vorsitzendem Dennis Heim und Fraktionsvorsitzendem Thorsten Stock flankiert wurde. Grund der Veranstaltung, eröffnete Heim, sei „natürlich auch der Wahlkampf“, aber hauptsächlich wolle die Wählergruppe die eigenen Ziele mit denen des Dehoga - dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband - abgleichen. Heim: „Wir wollen unser Programm gegebenenfalls modifizieren und Neues einfließen lassen.“ Das würde bedeuten, dass sich die Gruppe von einer vor gut einem Monat an gleicher Stelle geäußerten Idee verabschieden müsste. Denn der damals postulierten Hinwendung zu traditionellen Kuranwendungen, erteilten die beiden Fachleute - mal mehr und mal weniger deutlich - eine Absage. Und auch die Vorstellung, dass der Bürgermeister kraft Amtes wieder als Aufsichtsratsvorsitzender fungieren soll, und somit die Politik wieder größeren Einfluss in den beiden Kurgesellschaften bekommt, stand Adt skeptisch gegenüber („Da hätte ich dann schon noch mal Gesprächsbedarf“). In früheren Zeiten sei das Marketing allzu oft zum Spielball politischer Interessenlagen geworden, warnte der Dehoga-Chef.

Den Ist-Zustand der Stadt bewertete Adt gar nicht einmal so negativ: Immerhin sei mit der Restrukturierung der Kurgesellschaft die verheerende Talfahrt bei den Übernachtungsgästen gestoppt worden, bilanzierte er mit dem Verweis darauf, dass es gerade der Übernachtungsgast ist, der eine enorme Wertschöpfung mitbringt. Adt: „Die neuen Strukturen sind gut für die Zukunft. Zudem bringen die sinnvollen Infrastrukturmaßnahmen mehr Impulse für die Generierung von Übernachtungsgästen.“ Das alles könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den vergangenen zehn bis 15 Jahren die Zahl der Übernachtungen von 1,2 Millionen auf 400000 geschrumpft sei. Eine Rückkehr zu traditionellen Kur-Elementen hält Adt für zu spät. Es sei zwar einmal das erklärte Grundkonzept gewesen, diesen Gästestamm zu halten. Allerdings: „Das ist intern alles ein bisschen schiefgelaufen.“ Jetzt allerdings Geld für traditionelle Kurangebote auszugeben, wäre „betriebswirtschaftlicher Wahnsinn.“ Bad Orb solle zwar weiterhin ein Gesundheitsstandort sein, aber „zeitgemäß, attraktiv und zukunftsorientiert“.

Dehoga-Berater Kumelis verdeutlichte seinen Zuhörern, dass es oberste Priorität hat, ein Ziel zu finden. Bad Orb müsse wissen, wo es im Jahr 2026 steht. „Die Stadt muss erst das große Ziel definieren und dann auch groß denken.“ Das Potenzial der Stadt sei „immens groß", aber zurzeit fange Bad Orb zu wenig damit an. Wenn das Ziel etwa darin bestehe, die alleinstehende Dame mit Hund anzusprechen, dann wisse jeder, wo die Reise hingehe. Ob Einzelhandel, Gastronomie oder Hotellerie, jedem sei klar, woran er sich auszurichten habe: Fressnäpfe, Tiemahrung, Fachgeschäfte, Hundeschule und so weiter. Eine klar definierte Ausrichtung sei dabei wichtiger als ein Kernteam - und wenn es eingerichtet werde, dann müsse es schlagkräftig sein. In diesem Kontext sei es entscheidend, nicht nur Tourismus-Marketing zu betreiben, sondern auch Stadt-Marketing, ein Bereich, der in Bad Orb zurzeit völlig fehle.

Dieter Adt vermisst in Bad Orb „einen Kümmerer“. Und: „Wir brauchen jemanden, der uns an die Hand nimmt und jemanden, der die Aufgaben klar verteilt.“ Nicht nur das, sondern auch die gezielte Verwendung der Mittel, die für Marketing zur Verfügung stehen, spreche dafür, sich für eine bestimmte Zielgruppe zu entscheiden, für die man Bad Orb interessant machen will. Denn nur mit konkreten Vorstellungen könne man Geld auch effizient ausgeben, verdeutlichte Kumelis. Allerdings sei es in der Stadt zurzeit „völlig unklar, wo der Weg hingeht“. Bei der Entscheidung über eine Ausrichtung auf dem Markt sei es besonders-wichtig, ergebnisoffen an die Suche heranzugehen. Kumelis machte deutlich, dass der Begriff „Kurort kein Selbstzweck“ sei. „Eventuell muss man versuchen, etwas zu finden, was besser ist."

Die Prognosen für den Gesundheitssektor bewegten sich relativ konstant. Es sei keine Steigerung zu erwarten. Eine Verdoppelung der Übernachtungen ist laut Kumelis über diese Schiene also kaum zu schaffen. Im Gegenteil, selbst um die 400.000 Übernachtungen, die Orb zurzeit hat, zu erhalten, müsse die Stadt viel Geld ausgeben. Aber gleichzeitig erfahre die Sparte Urlaub in Deutschland große Zuwächse - und das werde sich verstärken. Kumelis: „Tourismusregionen boomen und Kurstädte gehen pleite.“ Die Frage laute also: „Kann Bad Orb nicht anderswo viel mehr erreichen?" Und, noch deutlicher: „So richtig sexy ist das Wort Kurort nun wirklich nicht.“ Freilich erfordere es Mut, sich von Altbewährtem zu trennen. „Orb braucht eine simple Botschaft. Der Gast muss wissen: Warum komme ich? Wenn dies Botschaft nicht da ist, dann geht die Stadt im Grundrauschen verloren."

Und weiter - mit Blick auf die alleinstehende Frau mit Hund: „Machen Sie die eine Zielgruppe glücklich. Dann kommen Sie mit den vorhandenen Hotels nicht mehr aus. “ Diese eine Ausrichtung zu finden, brauche Fachkompetenz von außen, ergänzte Adt. Das alles bedeutet seiner Ansicht nach keine Abkehr von dem bisherigen Marketingkonzept der Kurgesellschaft. Nur: „Dieses Konzept ist nun über fünf Jahre alt und muss wieder einmal evaluiert werden. Wir müssen schauen, ob es noch zeitgemäß ist, und ob die Ziele noch richtig sind. " Das bestehende Konzept sei eine gute Grundlage, es fehle aber die Fokussierung und eine klare Zieldefinition. Es gelte zu entscheiden, in welches Feld die Stadt das knappe Geld stecken will. Ob sich die Stadt mit dem Bau des Thermalbads mit Blick auf diese Richtungsfindung korrekt ausgerichtet hat, ist dabei die große Frage. Adt: „Ich bezeichne den Bau des Thermalbads als Schnellschuss nach dem Scheitern des China-Projekts.“

In der anschließenden Diskussion gab es durchaus nachdenkliche Töne. Jörg Wieczorkowski: „Es fehlt einfach die Definition des Ziels. Wir bewegen uns in Bad Orb ständig hin und her. Mir fehlt die Zehn in der Mitte. Und: Was wollen wir?“

Quelle: GNZ 13.02.2016


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